Herkunft das Namens Dörry, Dörrie und seiner sonstigen Varianten und Schreibweisen

 

Ein Name dient dazu, eine Person eindeutig zu identifizieren und zu bezeichnen, d.h. es geht um die Einmaligkeit einer Person.

Aus Germanien
In der germanischen Zeit gab es den Brauch, dem Sohn den Namen des Vaters zu geben, um ihn dadurch als zu ihm gehörig zu kennzeichnen. Daneben kam dann der Sippenname, besonders bei den regierenden Familien. Neben diesen beiden Namen gab es nun noch einen Rufnamen als Beinamen, der aber nicht mit dem Familiennamen gleichgesetzt werden darf (z.B. Hägar der Schreckliche). So bezeichnet der Beiname z.B. die Herkunft, Abstammung oder Bildung, Wohnstätte, Berufsstand und Verwandtschaft oder es sind gar Spitznamen (z.B. Albrecht der Große, Helmbrecht von Bayern).
Sehr lange kam den Rufnamen eine überragende Bedeutung zu, die sich bis in die heutige Zeit fortgesetzt hat. Selbst heute signalisiert der Zu- oder Nachname, dass es sich um einen Zusatz zum (Ruf)-Namen handelt.
Im 12. Jahrhundert beginnt es sich einzubürgern, neben dem Rufnamen einen Beinamen zu führen. Wird dieser Beiname nun auf die Nachkommen übertragen, dann wurde er damit zum Familiennamen. Es gab im 16. bis 17. Jahrhundert Einnamige nur noch bei Menschen niederen Standes.

Entstehung
Woher stammt nun aber der Name Dörry oder Dörrie? Was soll er bedeuten ?
Dazu müssen wir wissen, dass der Familienname aus fünf Bereichen entnommen wurde: Vaternamen (Rufname des Vaters = Heinrich), Herkunft (Zugezogene nach ihrem Herkunftsort = Hesse), Wohnstättennamen (da wo sie wohnten = Kirchhof), Berufsname (Stellung oder Beruf = Fleischer), Übernamen (nach körperlichen oder charakterlichen Eigenschaften = Groß).
Um die Bedeutung eines Namens zu erforschen muss man sich die ältesten Formen ansehen.
Beim Namen Dörry sind die Schreibformen Doringk, Dorri, Dörrien, Dörri, Dörrie, Dörries, Doring (1368 in Hildesheim), Döringer, Doerge(s). Im 13. und 14. Jahrhundert ist es die Form Doring, die den Weg weist. Alle aufgeführten Formen, kommen übrigens in Urkunden und Kirchenbucheintragungen über unsere Familie vor. Laut DTV-Atlas Namenskunde im Jahre: 1490 Doringk, 1600 Dorri, 1700 Dörrien, 1830 Dörrie, Dörry oder Dörrijes/Dörrges)

Orte
Mehrere Orte tragen auch einen entsprechenden Namen. Bei Sulingen in der Grafschaft Diepholz gibt es den Ort Dörrieloh. Seit der niedersächsischen Gebiets- und Gemeindereform gehört der Ort zu Varrel b. Sulingen. Der zuerst genannte Herr des Ortes war der Dethart v. Doringelo 1381. Bedenkt man dann noch, daß die Endung ..loh auf lichter Wald/Rodung hinweist, macht Doringe den Ursprung des Namens schon eher sichtbar.
Zu Affinghausen, zwischen Asendorf und Bassum, gehört der Weiler Dörriesloh. In der Nähe von Detmold gibt es Döringsfeld, bei Einbeck Dörrigsen und seit dem Ende des 14. Jahrhunderts als Wüstung Dorringerode bei Wiedelah in der Nähe von Vienenburg.
Ein anderer Ort ist in diesem Zusammenhang ebenfalls anzusprechen. Am Main zwischen Bamberg und Lichtenfels liegt der Marktflecken Döringstadt. In den Urkunden tauchen die Namen Dorrestat, Duristat, Duringestat (sieh die Ähnlichkeit zu dem Doringeloh von 1381) auf. Die Endung ..ing(e) geht auf germanische Ortsnamengebung zurück und bedeutet z.B. soviel wie "bei den Leuten des ..." oder "die Nachkommen des....". Die Menschen wurden dann nach ihrem Herkunftsort genannt.

Ein weiterer in diesem Zusamenhang stehender Ortsname ist Dör, ein in der Nähe von Sopron liegender kleiner Ort. Die erste Erwähnung leitet sich aus dem Jahre 1407 wieder, in dem Sebestyan und János vom Bischof in Györ das Gut Dör bekommen und sich fortan Döry von Joboháza nennen. So entstand der Name der Familie Döry, Graf von Joboháza.

Ob der Ort Dör im damaligen Österreich-Ungarischen von Thüringern besiedelt wurde, ist bisher nicht nachzuweisen.

Allgemein
Im DTV-Atlas Namenkunde ist nachzulesen, daß der Name Döring 'der Thüringer' bedeutet und Dörrie nur die ostfälische Abwandlung des Namens ist, weil hier oft die Endung ..ing(e) zu ...ie oder ...y wird. Wir können das sehr schön an den Schreibweisen unseres Namens in den verschiedenen Jahrhunderten sehen. Zunächst Doringk, dann Dorri, später Dörrien und dann Dörrie oder Dörry. Zur Erinnerung: der ostfälische Teil des sächsischen Siedlungsgebiets lag zwischen Leine und Elbe, und wurden im Süden vom Harz, im Norden von der Elbe begrenzt. Damit sind wir im Hildesheimer Land.
Bereits im 15. Jahrhundert lassen sich die Vorfahren Doringk, Dorri, Dörrien, Dörrie, Dörry, Dörges, Dorringe direkt in der Gegend nachweisen. Im Lühnder Kirchenbuch steht unter der Heiratseintragung vom 27.1.1706, daß der Christian Dörrien, geb. 1672 in Groß Lobke als Sohn des Hinrich Dörrien und seiner Ehefrau Anna Lüders, die Ilsa Fuhrberg heiratet. Hinrichs Vater war der 1587 geborenen Barnstorff Dorri (Kirchenbuch Groß Lobke), dieser ein Sohn von Curd, geboren um 1544 (vermutlich eher um 1560) in Ummeln. Aller Vorfahre ist der 1490 in einer Urkunde (Hauptstaatsarchiv in Hannover) als Freie in Ummeln genannte Cort Doringk, der vor 1460 geboren sein dürfte.

Dörrie
Der Name ist, wie wir gerade gelesen haben, in den Orten und der Gegend bereits weit vor und im 30-jährigen Krieg zahlreich vertreten. Die ersten Dor(r)ing o.ä. werden 1272 in Urkunden des Hochstifts Hildesheim und um 1294 als Ratsherrn in Hildesheim, 1275 in Braunschweig, 1392 in Stadthagen und 1466 in Hannover genannt. Am 25. Oktober 1493 verzeichnet gar das Hildesheimer Urkundenbuch "die Hinrichtung des verfesteten und wiederholt mit dem Banne belegten Tileke Dorrings".
Das Lühnder Kirchenbuch führt für Lühnde/Ummeln/Wätzum zwischen 1642 und 1699 allein 66 Geburten unter dem Namen Dörrien und 57 Sterbefälle auf, alle fast ausschließlich aus Ummeln. Dieser Ort hatte 1664 mit Kindern ca. 120 Einwohner. Alle Kirchspielorte zusammen zählten nur wenige hundert Einwohner. Im Amt Ruthe mit Ummeln, Lühnde und Groß Lobke gab es 1593 außer den zahlreichen Dörrie-Familien in Ummeln nur noch jeweils einen Namensträger in Groß Lobke und Bolzum. Es spricht sehr viel für Verwandtschaft aller hiesigen Dörries, da die Lobker aus Ummeln stammten und viele Heiratsverbindungen nach Bolzum bestanden (2 km entfernt). So kam der 1666 nach Ummeln heiratende Lüdeke Dörrien von hier.

Das  Dativ-en  von Dörrien am Namensende ist am Anfang des 19. Jahrhunderts so schnell allgemein entfallen, wie es im 17. Jahrhundert angefügt wurde. In dieser Zeit war aus dem o auch das ö geworden. 1673 wird beim Taufeintrag für eine Tochter im Groß Lobker Kirchenbuch noch Heinrich Dorri geschrieben, zwei Jahre später notiert der offensichtlich gleiche Schreiber  bei der Geburt der Zwillinge als Vater Heinrich Dörrien. Im 18. und 19. Jahrhundert wird die Schreibweise wieder umgestellt. Die Kirchenbücher verzeichnen in einer Übergangsphase von 1785 bis 1835 bei gleichen Personen in verschiedenen Registern unterschiedliche Schreibweisen.

Dörry
Bereits im 15. Jahrhundert taucht der Name Dorry in Alfeld, Hildesheim und Umgebung in Ratsprotokollen, Bürgerbüchern und ähnlichen Unterlagen auf. Kirchenbücher gab es zu jener Zeit noch nicht. Um 1510 wird erstmals ein Hermann Dorry als Ratsherr in Alsfeld erwähnt. Sein Vater wird noch als Dorrink, sein Großvater als Dorringe (um 1468) erwähnt.
Der Name Dörry taucht erstmals um 1660 in Northeim auf; Johann Henrich Dörry ist als Urahn der Dörry anzusehen; sein Vater ist noch als Dörrien in Hildesheim verzeichnet. Er selbst wird in den verschiedensten Schreibweisen in den Kirchenbüchern Northeim bei Taufen seiner Kinder geschrieben.
Auf den Urkunden unseres Ahn Carl Wilhelm Dörry läßt sich feststellen, dass er um 1786 mit dem Namen Dörrii im Trauregister von Alt Wallmoden verzeichnet und mit dem Namen Dörry um 1806 im Sterberegister, ebenfalls in Alt Wallmoden, eingetragen ist. Hier beginnt die Reise der Dörry in Richtung Osten. Der Sohn Carl Philipp wird noch in Alt Wallmoden geboren, seine Kinder dagegen schon in der Neumark. Danach ziehen die Nachfahren der Familie Dörry allesamt in Richtung Osten, ins Brandenburgische, die Neumark (Dobersaul, Peitz, Rampitz) und nach Pommern und Posen (Stargard, Gr. Drensen, Lauenburg, Marienburg). Aber auch in Berlin tauchen zu dieser Zeit die ersten Dörry auf. Dies ist im Hinblick auf die Besiedlung der östlichen Gebiete nicht verwunderlich, denn die meisten männlichen Nachkommen der Familie Dörry hatten den Beruf Pastor oder Lehrer, Kantor oder Organist. So finden wir in der Berufsliste dieser Dörry neben Lehrern und Pastoren auch Superintendenten und Studienräte. Diese Berufsgruppe wurde damals bei der Besiedelung im Osten gebraucht.

So beschränkt sich heute unsere Ahnenforschung des Namens Dörrie rein auf das Hannoversche und Hildesheimer Gebiet, während die Erforschung des Namens Dörry sich über den ganzen Norden und Osten Deutschlands hinzieht, wobei bisher Auswanderungen in andere Länder noch vollkommen unberücksichtigt wurden.

Dieser Artikel wurde erstellt von Rainer Dörry unter Mitwirkung eines Artikels von Kurt Dörrie aus dem Niedersäschischen Landesverein für Familienforschung in Hannover.